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Zweite Bundesliga – Fast ein Premiumprodukt

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Seit einigen Jahren versuchen einige Teil der Medien, uns die 2. Bundesliga mit dem Prädikat „stärkste zweite Liga der Welt“ noch schmackhafter zu machen. Doch hält der Superlativ der Wirklichkeit überhaupt stand? Eine Analyse.

Bielefeld. Bochum. Kaiserslautern. Cottbus. St. Pauli. Köln. Karlsruhe. Düsseldorf. 1860. Es hat in Fußball-Deutschland Zeiten gegeben, zu denen die Hälfte dieser Mannschaften die Stadien, die damals noch Stadien hießen und nicht Arenen, in der Bundesliga gefüllt haben. Wenn auch nicht immer bis auf den letzten Platz. Doch diese Zeiten sind, man ahnt es: vorbei. Die meisten der genannten Clubs gehören seit Jahren zum Establishment in Liga zwei, von ein paar Ausreißern nach oben (Köln, Düsseldorf, Kaiserlautern) oder unten (Karlsruhe, Bielefeld) abgesehen. Doch die PR-Profis, die diese Liga vermarkten und die zumeist mit der DFL oder dem Privatsender „Sport1“ verbandelt sind, tun alles, um uns diese Spielklasse als sportlich besonders reizvoll zu verkaufen. Nur: Haben sie Recht?

Wenig hochkarätige Spiele

Wer als Anhänger einer Zweitligamannschaft einen – verständlicherweise – subjektiven Blick auf diese Liga hat, würde die Frage wohl bejahen. Wer jedoch in der vergangenen Saison die Montagsspiele im oben erwähnten Privatsender verfolgte, dem wurden der Eigenwerbung zufolge Spitzenspiele serviert. Köln-St. Pauli 0:0. Köln-Dresden 1:1. 1860-Aue 1:1. St. PauliBochum 1:1. Hertha-St. Pauli 1:0. Hertha-Köln 1:1. 1860-Kaiserslautern 0:1. St. Pauli-Köln 0:1. Hertha-Kaiserslautern 1:0. Duisburg-Braunschweig 1:0. Braunschweig-Kaiserslautern 1:1. Aue-Kaiserslautern 0:1. Duisburg-Köln 1:1. Braunschweig-Cottbus 0:0.

Dazu gab es wenige hochkarätige Spiele mit vielen Toren, ein paar halbwegs spannende Remis, die 2:2 oder 3:3 endeten, ein paar 2:1 oder 2:0. Überwiegend aber musste man als Zuschauer das eben Aufgezählte ertragen. Es ist und war nicht alles schlecht in der 2. Liga. Aber es gibt eben auch Gründe, weswegen in den vergangenen Jahren immer mindestensein Bundesligaaufsteiger direkt wieder abgestiegen ist (zuletzt Düsseldorf, Fürth, Hertha, St. Pauli, Nürnberg). Das Leistungsgefälle zwischen den beiden obersten Spielklassen in Deutschland ist enorm, aber von Teilen der Medien wird manchmal so getan, als sei das Unterhaus genauso stark wie das Premiumprodukt der DFL.

Die Schere ist weit offen

Es ist schon erstaunlich, dass Clubs wie Fürth oder Düsseldorf, die mitunter jahrelang an die Tür zur Bundesliga geklopft haben, bis ihnen Einlass gewährt worden ist, letztlich keine Chance auf den Klassenerhalt hatten. Berlin und Pauli war es zuvor ähnlich ergangen. Die „stärkste 2. Liga der Welt“ wäre sie nur, wenn die sportliche Schere zur ersten Spielklasse nicht so weit offen wäre. Jeder andere Maßstab ist grober Unfug. Dass sie womöglich stärker ist als andere zweite Ligen in Europa, kann natürlich trotzdem sein. Wenn wohl auch nur in der Spitze.

Denn: Auch das Leistungsgefälle innerhalb dieser Spielklasse ist enorm. In den vergangenen Jahren zogen zumeist zwei Clubs an der Spitze einsam ihre Runden. Ein bis zwei andere hechelten am Tabellenende chancenlos der Relegation hinterher. Und nicht selten lagen zwischen Rang vier und Rang 16 satte 30 (!) Punkte. Doch einen ganz speziellen Reiz besitzt diese Liga: Sie gebiert immer wieder Überraschungsaufsteiger wie Fürth, Braunschweig, Düsseldorf oder früher St. Pauli und Mainz. Und das darf gern so bleiben.

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