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Tollhaus DFB-Abwehr: Wege aus der Krise

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Eins, null, eins, zwei, drei, vier! Was es mit diesen Zahlen auf sich hat? Richtig, die Anzahl der Gegentore, die die deutsche Nationalmannschaft allein in diesem Jahr kassierte. Und das gegen Teams wie Kasachstan, Ecuador, die USA oder Paraguay. Von einer Schießbude zu sprechen, ist vielleicht etwas übertrieben, doch keine derart so hoch gehandelte Nationalmannschaft des Weltfußballs präsentiert sich mit solch einer Wackel-Abwehr wie es die DFB-Auswahl tut. Was tun, Jogi?

Zugegeben: Bis zur WM 2014 ist es noch lange hin, weshalb man angesichts der konstant unkonstanten Darbietungen des DFB-Abwehrverbundes nicht gleich in Panik verfallen sollte. Dennoch ist es schon besorgniserregend, wie sich die Defensive der deutschen Elf seit nunmehr drei Jahren immer mal wieder präsentiert und welchen ungeheuerlichen Patzer man sich leistet. Die Schludrigkeit kann durch folgende Fakten belegt werden: Seit der WM 2010 fing sich das DFB-Team in elf Spielen (fast 33 Prozent aller Spiele) zwei oder mehr Gegentore, in den letzten beiden Testspielen gegen Paraguay (3:3) und die USA (3:4) kassierte man jeweils im ersten Durchgang zwei Gegentore – das hat es seit 1964 nicht mehr gegeben. Und: Seit der EM 2012 blieb Deutschland in zwölf Länderspielen lediglich dreimal ohne Gegentor. In zwei dieser Spiele hießen die Gegner Färöer Inseln und Kasachstan! Noch Fragen?

Vorne hui, hinten pfui!

Fakt ist, dass Löw, der seit nunmehr sieben Jahren im Amt ist, aktuell kein passendes Defensivkonzept entwickelt hat. Während die Offensive mit seinen spielfreudigen Zauberern wie Mesut Özil, Mario Götze, Marco Reus, Toni Kroos oder Julian Draxler für hohen, offensiven fußballerischen Unterhaltungswert steht, hat sich die Abwehr zur Achillesferse entwickelt. Und das obwohl die Viererkette, die man bei der WM im kommenden Jahr am Zuckerhut erwarten darf, weitestgehend steht. Kapitän Philipp Lahm ist als Rechtsverteidiger gesetzt, sein Pendant auf der linke Seite ist Marcel Schmelzer, zu dem es kaum Alternativen gibt. In der Innenverteidigung wird dagegen kein Weg an Mats Hummels vorbeiführen, obwohl auch dieser sich in jüngster Vergangenheit ungewohnt unerklärlich Böcke leistet. Bleibt ein Platz in der Innenverteidigung frei und hier hat sich zuletzt Per Mertesacker nicht gerade aufgedrängt. Ein heißer Kandidat, zumindest für die beiden anstehenden WM-Qualifikationsspiele gegen Österreich und die Färöer, dürfte Jerome Boateng sein. Zwar auch immer mal wieder für einen dicken Patzer gut, doch seit Wochen agiert der Bayern-Profi konstant. In Benedikt Höwedes steht noch eine weitere Alternative bereit. Holger Badstuber, den sich viele DFB-Fans an der Seite von Hummels wünschen, fällt mit Kreuzbandriss noch einige Monate aus. Eine WM-Teilnahme scheint schwer vorstellbar.

Lahm – Boateng – Hummels – Schmelzer: So würde zumindest meine aktuelle Stammformation heißen! Ganz gleich wie sich der Bundestrainer entscheidet, ist es aber von hoher Dringlichkeit, dass es keine Experimente mehr gibt. Das forderte auch der ehemalige Nationalverteidiger Christoph Metzelder: „Es wird wichtig sein, dass Joachim Löw eine Formation in der Viererkette findet. Gerade in der Nationalmannschaft ist die Abstimmung nicht einfach zu finden, weil die Spieler aus verschiedenenVereinen kommen und das Abwehrverhalten unterschiedlich interpretieren“, erklärte Metzelder auf der DFB-Homepage.

Huub Stevens als Telefonjoker

Man darf es sich aber nicht zu leicht machen und ausschließlich die Fehler in der Abwehr suchen. Denn auch im defensiven Mittelfeld überzeugten Sami Khedira und Co. nicht mit überragendem Abwehrverhalten. In diesem Zusammenhang wirkt sich das Fehlen von Bastian Schweinsteiger, der sein letztes Länderspiel im März bestritt und auch am bevorstehenden Doppelspieltag nicht mitwirken kann, nicht gerade positiv aus.

Wichtig wird es sein, dass Deutschland so schnell wie möglich ein paar Spiele ohne Gegentor übersteht und so wieder Vertrauen in die Defensive entwickelt. Ansonsten sollte Löw vielleicht mal bei Huub Stevens anrufen, um sich das Geheimnis seiner legendären „Die Null muss stehen“-Taktik erklären lässt.

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