Lesermeinungen:Weltklassefussballer brauchen keine BücherDer Salzburger Unternehmensberater und Coach Jürg Zeyringer mag den einen oder anderen schon bekannt sein. Denn sein Motivationsbuch „Der Treppenläufer“ hat doch eine breite Leserschaft gefunden. Nun schloss er sich mit dem österreichischen Fussballer Adi Hütter zusammen, um müden Kickern wieder auf die Beine zu helfen. Welches Rezept dazu taugt, ist Glaubenssache. Fest steht aber, dass die weltbesten Fussballer locker ohne solche Hilfeleistungen auskommen. Ich bin mir auch nach der Lektüre nicht sicher, ob Zeyringers Weg der bessere ist. Persönlich bin ich eher ein Anhänger von Wissensvermittlung durch Geschichten und Erfahrung als durch Theorie. Zwar bemühen sich die Autoren um den goldenen Mittelweg, indem sie ihre 11 Gesetze durch Originalfussballer kommentieren und absegnen lassen. Nun ja, da die Akademisierung inzwischen selbst das Spiel um die runde Lederkugel erreichte, sind solche Bücher offenbar nötig.
Neu sind die Gesetze nicht. Zeyringer/Hütter halten sich an die klassische Theorie, die davon ausgeht, dass sich Motivation erfassen und weitergeben lässt. Der Empfänger muss nur wollen. Doch genau an diesem Punkt scheiden sich die Geister. Ich bin da weit skeptischer als die Autoren, da neuere wissenschaftliche Untersuchungen und Theorie den freien Willen eher als schöne Illusion und nachträgliche Legitimierung vorausgehenden Verhaltens sehen. Wie auch immer, die 11 Gesetze lauten: Ziele vor Augen haben – Eigene Fähigkeiten richtig einschätzen – Mentaltraining – Selbstwertgefühl entwickeln – Konzentration, Vorbereitung und Konsequenz – Freude und Begeisterung – Mut zum Risiko – ungern verlieren wollen – Siegesfreude und Lernen aus Niederlagen – positives Teamklima – professionelles Umfeld. Alles in allem nichts Neues unter der Sonne.
Fussballer als Leseratten zu bezeichnen, finde ich gewagt. Daher sollen die Wagemutigen durch viele farbige Bilder belohnt werden. Ihrem Spieltrieb kommt sicher auch der Selbsttest entgegen. Er ist ebenso einfach gehalten wie die Sprache der Autoren. Also auch für ungeübte Leser verständlich. Sollten die Trainer als Zielpublikum anvisiert werden, so erwarten die allerdings mehr Übungen, mehr Details, mehr Praxisberichte, mehr Aktuelles.
Mein Fazit: Schaden kann die Lektüre keinen anrichten. Ob sie allerdings den Erfolg bringt, den die Autoren versprechen, bezweifle ich aufgrund meiner Erfahrungen und meines Glaubensmodells.