elfmeter.de

Medienschelte

| Keine Kommentare

Ich hab mir ja vorgenommen mit der Medienschelte etwas zurückhaltend zu sein. Zum einen bringt es nichts sich über jeden Scheiß aufzuregen, zum anderen wird Sportkommentatoren-Bashing schnell langweillig. Außerdem bin ich selbst nicht davon frei und bediene mich sicher ab und an der gleichen Muster. In letzter Zeit ist aber wieder ein Maß erreicht, ab dem ich mich nicht zurückhalten kann.

Dieses permanente Hochspielen von einzelnen Ergebnissen und die damit verbundene Projektion auf den restlichen Saisonverlauf, das restliche Leben oder den Fortbestand des Universums. Mannschaft X gewinnt zwei Spiele in Folge überragend, die Medien erklären, warum sie nun nicht mehr aufzuhalten sind, warum sie auf Jahre die Liga dominieren werden. Die selbe Mannschaft verliert ein Spiel und die selben Medien sehen den Beginn des Niedergangs.

Ein schönes Beispiel, wenn auch aus einer anderen Sportart, ist der Saisonstart der Dallas Mavericks in der NBA. Drei Spiele verloren die Mavs um Dirk Nowitzki zum Saisonstart und bereits nach dem ersten war für die Beobachter klar, dass die Mavericks sich gehörig strecken müssen, um die Playoffs zu erreichen. Nach dem dritten Spiel war dann endgültig bestätigt, dass die Zugänge die Abgänge nicht ersetzen konnten und die Playoffs vermutlich diesmal nichts werden.

Nun sind 17 Spiele gespielt und Dallas steht mit 10-7 in der Divison auf gleicher Höhe mit San Antonia (10-7) und Memphis (9-6). Es verbleiben noch 49 Spieltage. Merkt jemand was? Da ist noch alles drin.

Oder Gladbach: Als in der Winterpause der Weggang von Reus zu Dortmund nach der Saison angekündigt wurde, hieß es plötzlich die Mannschaft bricht auseinander. Trainer Favre hätte keine Lust mehr. Bald ginge es wieder nur gegen den Abstieg. Die Fans wenden sich gegen den Verein. Hat jemand Freitag das Spiel gegen die Bayern gesehen? Gladbach sah beim 3:1-Sieg nicht im geringsten auseinander gebrochen aus.

Die Medien bauen sich ihre aktuellen Themen selber auf, es geht um Sensationen, Einschaltquote und vermutlich bei vielen auch um die Lust die Nachrichtenlage selbst zu prägen und zu steuern. Mich nervt es. Letzte Woche fragte eine Moderatorin im Frühstücksfernsehen einen anderen Journalisten, warum denn der Unfall eines Kreuzfahrtschiffs mit einigen europäischen Opfern die Nachrichten dominiert und das Schicksal der afrikanischen Bootsfllüchtlinge auf Lampedusa kein Schwein mehr interessiert. Ich lache mich schlapp! Weil ihr Nachrichten solange bringt, wie es euch passt. Jede Sau wird ein bis zwei Wochen durchs Dorf getrieben und dann kommt die nächste.

Ich wünsche mir etwas realistischere Einschätzungen, die nicht in Extreme verfallen um Aufmerksamkeit zu erhaschen. Auch wenn einige Spaß daran haben, ich nicht.

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.