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Fortuna, die Wundertüte

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Die Fortuna hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich von der vierten bis in die erste Liga hochgearbeitet. Prägender Kopf dieser Auferstehung ist Norbert Meier. Im Januar 2008 in der dritten Liga (damals noch Regionalliga) verpflichtet, wurde er bei den Fans zunächst keineswegs als Heilsbringer, sondern außerordentlich kritisch gesehen. Doch mit der Zeit wuchs da etwas zusammen, das mehr oder minder unzertrennlich schien.

Nun, fünf Jahre später, hat man in Düsseldorf den ersten Rückschlag seit langem hinnehmen müssen, man ist abgestiegen, hat Norbert Meier entlassen. Angeblich war das Tuch zwischen Mannschaft und Trainer zerstritten, was Teile der desaströsen Schlussphase der letzten Saison erklären würde. Nur vor dem Hintergrund dieser fünfjährigen gemeinsamen „Beziehung“ lässt sich von außen erkennen, wie anders diese Saison wird.

Mit Mike Büskens tritt ein ehemaliger Fortune die Nachfolge an, der alleine schon deshalb bei den Fans einen höheren Startkredit hat. Mit Fürth legte er eine tolle Zweitligasaison 11/12 hin, ließ attraktiven Offensivfußball spielen und band erfolgreich junge, talentierte Spieler in die Mannschaft ein. Er stieg gleichzeitig mit Fortuna auf – und scheiterte noch gravierender als Norbert Meier. Das mag daran liegen, dass sich Fürth in jener Sommerpause kaum nennenswert verstärkte. Es gehört zum Gesamtbild dennoch dazu. Nichtsdestotrotz verkörpert Büskens Spielelemente, die man in Düsseldorf zuletzt schmerzlich vermisste: Oft wirkte das Offensivspiel in den letzten Jahren ziellos, unstrukturiert. Nachwuchsspieler konnten sich selten durchsetzen, wenngleich es hier mit Beister und Kruse zwei Gegenbeispiele gibt. Büskens also verspricht derzeit jenen sagenumwobenen „Konzeptfußball“ – auch wenn er selbst das so nie gesagt hat.

Hoffnung aber machen die bisherigen Transfers: Wurden zu einem jeweils relativ frühen Zeitpunkt mit Rensing und Schmidtgal zwei erfahrene, für die zweite Liga sicherlich überdurchschnittliche Spieler geholt, so kommen seit Büskens Amtsantritt vor allem junge Spieler dazu. Der Altersschnitt aller Neuzugänge beträgt 21,7 Jahre. Darunter sind einige Wundertüten: Giannotias, Stammspieler in der U-20 Nationalmannschaft Griechenlands, Halloran, junger Australier, bei dem alle auf den „zweiten Kruse“ hoffen oder Gartner, Sechser, Kapitän der österreichischen U-19 Nationalmannschaft. Dazu mit Bomheuer ein junger, zweitligaerfahrener Innenverteidiger, an dem auch einigen Bundesligisten Interesse nachgesagt wurde. Ferner der womögliche Top-Transfer: Levan Kenia. Als damaliges Riesentalent zu Schalke gekommen und sehr ordentliche Ansätze gezeigt. Dann die schwere Sprunggelenksverletzung. Viele Schalker-Fans kommen noch immer ins Schwärmen. Ohne die Verletzung, mutmaßen manche, hätte er sich womöglich gar gegen Holtby oder Özil durchgesetzt. Spekulation – aber talentiert ist er zweifelsohne. Der mittlerweile 22-jährige wechselte also nach Lviv, wo er ein Jahr lang regelmäßig spielte und wieder in den Rhytmus fand. Nun also der erneute Anlauf in Deutschland, eine Liga tiefer – bei Fortuna. Auf ihm lasten große Hoffnungen, aber man muss ihm auch die nötige Zeit geben – so wie all den anderen jungen Spielern.

Diesen Neuzugängen stehen als schmerzende Abgänge bloß Kruse und Schahin gegenüber. Der Australier wird auf dem Flügel durch eine jener Wundertüten zu ersetzen sein – im Sturm sucht man noch. Interessant auch: Das Duell um den Platz zwischen den Pfosten: Mit Rensing und Giefer ist die Fortuna hier mehr als überdurchschnittlich besetzt. Man setzt in Düsseldorf auf Verjüngung, auf Spielkultur. Dem sollte man eine gewisse Zeit geben, die Erwartungen nicht zu hoch schrauben – damit, wenn es so weit ist, nach einem Wiederaufstieg ein breiteres Fundament besteht, auf dem man aufbauen kann.

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