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Eine Frage nach 5 Jahren

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Vor mehr als fünf Jahren befragte ich als kleiner Blogger die Mitglieder der damaligen Regionalliga, wo sich ihre Vereine nach ihrer Einschätzung in 5 Jahren befinden werden. Ok, zuerst befragte ich die damaligen Mitglieder der ersten Bundesliga aber von denen fühlten sich nur zwei genötigt zu antworten: Marcel Koller, damals Trainer beim VfL Bochum und Michael Feik, damals Pressesprecher bei Eintracht Frankfurt.

Nur von zwei Vereinen wollte ich nicht berichten und so stürzte ich mich auf die Regionalliga. Dort waren immerhin 7 Vereine so freundlich sich zu äußern. Nun kommt der Reality Check, sind die Ziele erreicht worden, was ist in den fünf Jahren passiert?
Peter Tauber, seinerzeit Pressesprecher von Dynamo Dresden antwortete:

Wenn wir wüßten, wo wir in fünf Jahren stehen, wäre vieles einfacher.
Leider sind wir keine Hellseher. Aber wir wollen mit der Politik der kleinen Schritte in fünf Jahren Dynamo Dresden im bezahlten Fußball etabliert sehen. Langfristig gesehen möchten wir natürlich zurück in die erste Bundesliga.
Aber ob das in fünf Jahren schon erreicht sein kann, ist natürlich offen.

Dresden hat es in dieser Saison tatsächlich zurück in den bezahlten Zweitligafußball gebracht und liegt zum Ende der Winterpause auf einem Mittelfeldplatz. Dabei hat Dresden nach Eintracht Frankfurt und Fortuna Düsseldorf den höchsten Zuschauerschnitt der diesjährigen Zweitliga-Saison. Überschattet wurden die Leistungen in der Liga in dieser Saison allerdings durch Dynamos Auftritt im DFB-Pokal. Einerseits machte Dresden positive Schlagzeilen nach dem spannend erkämpften Sieg gegen Leverkusen in der ersten Runde dann überwog jedoch die negative Nachrichtenlage nach den Ausschreitungen in der zweiten Runde in Dortmund. Für die kommende Saison ist Dynamo nun vom DFB-Pokal ausgeschlossen. Es bleibt dem Verein zu wünschen, dass er das Hooligan-Problem in den Griff bekommt und sich als Zuschauermagnet in der Region in der ersten oder zweiten Liga etabliert.

Für St. Pauli antwortet der Pressesprecher Christian Bönig:

Bestmöglich steht der FC St. Pauli dort, wo jeder Verein in Deutschland gerne stehen würde: in der 1. oder 2. Bundesliga.
Das ist unser Ziel!
Wir arbeiten alle daran, dies zu verwirklichen, irrelevant, ob es sich hierbei um Fans, Mannschaft, Trainerstab oder Vorstand handelt.
Ein markantes Zeichen dafür ist, dass nach Jahrzehntelanger Planung nun endlich die Rekonstruktion des Millerntor-Stadions mit dem Baubeginn im Winter 2006 verwirklicht wird.
In vier verschiedenen Bauphasen entsteht an alter Stelle eine neue Architektur in der Charme und das Charisma des altern Millerntor-Stadions entführt wird.

St. Pauli befindet sich im oberen Tabellenbereich der zweiten Liga, hier hat Christian Bönig also Recht behalten. Zwischenzeitlich hatte es auch mal wieder zu einer Erstligasaison gereicht, dieses Jahr ist aber die Konkurrenz um den Aufstieg vermutlich zu hoch.

Die Antwort für Wehen-Wiesbaden stammte vom Manager des Klubs, Bruno Hübner:

In der 3. Profi-Liga.

Kurz und schmerzlos: Stimmt. Zwischenzeitlich waren sogar zwei Jahre 2. Bundesliga dabei.

Für den KSV Hessen Kassel antwortete der Pressereferent Herbert Pumann:

Wenn die sportliche Entwicklung so weiter geht wie seit einem Jahr und die äußeren Rahmenbedingungen (inkl. Sponsoring) weiter verbessert werden können, dann ist nicht auszuschließen, dass der KSV Hessen in fünf Jahren wieder da steht, wo er mal war: in der 2. Bundesliga!

Mit der zweiten Liga hat es leider nicht geklappt, momentan reicht es nicht mal für die dritte Liga. Als Regionalliga-Dritter verpasste Hessen Kassel letzte Saison knapp den Aufstieg. Aktuell hängt der Verein im Mittelfeld der Regionalliga Süd rum, mit 18 Punkten Rückstand auf den Aufstiegsplatz.

Auch Union Berlin war damals so nett uns zu antworten. Für Union antwortete Pressesprecher Lars Töffling:

Auf jeden Fall auf dem Fußball-Platz.

Und zweifelsfrei im Stadion an der Alten Försterei. Denn der großen Tradition folgend wird der 1. FC Union Berlin getragen von immenser Sympathie stets weiter existieren und mit Sicherheit eine Daseinsberechtigung haben.

Das sind aber auch schon die einzigen Prognosen, die als gesichert gelten können. In welcher Liga der 1. FC Union Berlin in fünf Jahren spielt, welche Kontrahenten man empfängt, wie die Infrastruktur im 2011 aussieht – all das lässt sich im schnelllebigen Fußball-Geschäft schwerlich konkret vorhersagen.

Der Verein strebt das (vorläufig) das Erreichen der neuen 3. Bundesliga an und will sich dort etablieren und mit zahlreichen anderen Traditionsvereinen auf Augenhöhe messen. Das ist unser Anspruch, darauf arbeitet der 1. FC Union bereits jetzt hin mit der Schaffung entsprechender Strukturen.

Gespielt werden soll dann nach Vorstellung der handelnden Personen im neuen Stadion an der Alten Försterei.

Alles andere ist Wunschdenken.

Wir arbeiten daran, bestmögliche Voraussetzungen für professionellen Fußball zu schaffen. Punkt.

Wow, das war eine ausführliche Antwort, vielen Dank auch nach so langer Zeit nochmals. Union spielt wie prognostiziert noch in der Alten Försterei, die nach großem Einsatz der eigenen Fans umgebaut wurde. Mit der Zweitligateilnahme liegt Union bereits über den Erwartungen, die damals formuliert wurden. Mit bereits 31 Punkten zum 20. Spieltag sieht es auch in der dritten Saison nach dem Wiederaufstieg sehr gut bezüglich des Klassenerhalts aus.

Bleiben noch zwei Vereine für die es nicht so gut gelaufen ist. Zuerst ist da der SSV Reutlingen für den der Marketingmitarbeiter Klaus Weiss seinerzeit antwortete:

Diese Frage muß vom SSV Reutlingen 05 nach zwei Gesichtspunkten beantwortet werden.

Einerseits sportlich, andererseits nach gesellschaftlichen Gesichtspunkten.

Sportlich strebt der Verein die Rückkehr in die 2. Bundesliga an und würde sich in fünf Jahren gerne dort wiederfinden.

Derzeit versucht der Verein durch drastische Restrukturierungsmaßnahmen den Weg dahin zu ebnen.

Gleichzeitig arbeitet der Verein derzeit hart dafür, den nach dem “quasi” Zwangsabstieg von der 2. Bundesliga in die Oberliga BW entstandenen Imageschaden auszuwetzen und strebt danach, in naher Zukunft wieder zu einem der Fußballvereine in Deutschland mit bester Reputation zu werden.

Nach einer Insolvenz 2010 musste der Verein kurzzeitig selbst gegen den Abstieg aus der Oberliga kämpfen, aktuell hat er sich jedoch im Mittelfeld stabilisiert.

Ähnlich schlecht erging es RW Ahlen, hier fragte ich den sportlichen Leiter Hanspeter Göggelmann:

Im bezahlten Fußball mit vielen Spieler aus den eigenen Reihen, wie es das Konzept “Vom Mini zum Profi” vorsieht.

Nun ja, bei Ahlen ist in der Zwischenzeit eine Menge passiert, vom Ziel des bezahlten Fußballs ist nicht mehr viel geblieben. Zwischenzeitlich gelang der Wiederaufstieg in die 2. Liga, nach einem Abstieg in die neue 3. Liga folgte der Insolvenzantrag, Mittlerweile startet die Mannschaft fünftklassig in der NRW-Liga. Mit 6 Punkten nach 17 Spieltagen liegt Ahlen hier auf dem letzten Platz.

Ich fand es mit dem fünfjährigen Abstand sehr interessant die Antworten und Einschätzungen von damals zu betrachten. Für manche lief es besser als gedacht, für manche absolut grauenvoll. Ich werde eine ähnliche Befragung sicherlich demnächst wieder durchführen.

4 Kommentare

  1. coole sache! solche langzeit-recherchen sind echt super-spannend!!

    willst Du die beiden antworten der erstliga-teams nicht vielleicht auch veröffentlichen und kommentieren? ich fänds interessant ;-)

    viele grüße! bni

  2. Das ist ein spannende Rückblick. Da sieht man, wie man sich über die Jahre hinweg täuschen kann, aber auch deutlich verbessern kann. Ziele setzen macht immer Sinn, auch im Profifussball, wo sich vieles von heute auf morgen ändern kann.

  3. Ich finde es klasse. Eine Studie über so einen Zeitraum durch zu führe. Kann mich da meinem Vorredner nur anschließen.

  4. Pingback: St. Pauli strebt Bundesliga-Rückkehr an

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